Brandenburgfest Lauchröden:
Schmelztigel der Mittelalter-Szene

 

Abgesehen vom Großfeuer mit 15 abgebrannten Autos, wozu die Ermittlungen laufen, ziehen die Veranstalter des Brandenburgfestes ein positives Fazit. Tausende Besucher ließen sich am Wochenende auf der Ruine Brandenburg in das Mittelalter entführen oder zelebrierten es selbst.
 

Organisatoren des Spektakels waren die 70 Mitglieder des Werratalvereins, Zweigverein Brandenburg. Für sie und das Fest gilt das Prädikat: mit Liebe gemacht.
Ein riesiges Zeltlager am Fuße der Burg gab Aufschluss über die Lebensweise im Mittelalter. Die rund 300 ritterlichen Hobbyisten aus Polen, der Schweiz, Tschechien, Deutschland und Luxemburg lebten es dort in vollen Zügen. Am Rande des imposanten Lagers zeigten Handwerker ihre Künste, wie den komplizierten Bogenbau und die hohe Kunst des Waffenschmiedens. Goldschmieden konnte bei ihrer Filigranarbeit über die Schulter geschaut und altüberlieferte Web- und Knüpftechniken in Augenschein genommen werden.
 

Waren, darunter Gewänder, Schmuck und Edelsteine wurden feil geboten. Zwischen den Attraktionen zeigten Gaukler ihr Können. Die Spielleute von Spellbound entführten mit Melodien des Mittelalters in längste vergangene Zeiten. Historische Musik machte auch das Spielmannsduo Pampatut, dessen Bühne stets dicht umringt war, lieferte es doch auch amüsante derbe Unterhaltung. Radulf von Düringen (Ralph-Uwe Heinz) führte an beiden Tagen als Herold durch Historienspiel und Kampfgetümmel. Das Puppentheater "Hexenzwirn" rundete das Rahmenprogramm ab.
 

Höhepunkte des Spektakels waren die Ritterturniere und die Burgbelagerung. Mit hohem Aufwand wurde an beiden Tagen ein Ausschnitt aus dem hessisch-thüringische Erbfolgekrieg nachgestellt, eingeleitet mit der Eröffnungszene "Das Kind von Brabant", dem Enkel der Heiligen Elisabeth, der im Zentrum des Ränkespiels steht.
 

Während des Thüringer Erbfolgekrieges zogen einst Heerscharen des Markgrafen Heinrich des Erlauchten von Meißen und der Herzogin Sophie von Brabant durch das Werratal, belagerten Städte und Burgen und hinterließen Brandstätten und Verwüstungen von Witzenhausen bis Eisenach. Nach vierzehnjährigem Ringen wurden die territorialen Grundlagen für das heutige Thüringen und Hessen geschaffen. Zuschauer aus vielen Bundesländern scheuten den Weg zur Brandenburg nicht. Viele von ihnen sind des Lobes voll über die Organisation.
 

Das Brandenburgfest war ein Fest für alle Sinne, ein Beweis für das Engagement der Vereinsmitglieder und allen beteiligten Helfer und es zeigte einmal mehr: ein Burgfest dieser Art und mit dieser Lage sucht in Deutschland seines gleichen. Der Publikumsandrang untermauerte dies. Wenn denn da dies nicht gewesen wäre: die verbrannten Autos am Samstag, der kurzfristige Strom- und damit Wasserpumpenausfall und der Sturz beim Ritterturnier am Sonntag, wo es "Albrecht von Meißen" beim Tjost (Lanzenstechen der Ritter) aus dem Sattel warf und das Pferd durch die Zuschauer scheute (wir berichteten).
 

"Es war eine Verquickung unglücklicher Umstände", sagte Matthias Herzer, Mitautor des Feldschlacht-Drehbuches und einer der beiden Zeremonienmeister beim Turnier. "Davor ist kein Veranstalter gefeit", ergänzte Andre Görlach, für alles "Ritterliche" beim Fest zuständig.

 

Tjosten, das ist ein Extremsport

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Er wird 70 (!)
und tjostet noch glänzend: Burkhard Dreßler alias Siegfried Kump zu Eisenach.

Foto:
Jensen Zlotowicz

Tjosten sei ein Extremsport und kein Kinderspiel und werde beim Brandenburgfest bis auf die leichteren Lanzen so praktiziert, wie es aus dem 13. Jahrhundert überliefert ist. Es gibt keine Absprachen, der Beste gewinnt. Genau das kommt beim Publikum an. Eine Stimmung an der Bahn wie am Samstag habe er noch nicht erlebt, schwärmte Herzer. "Das war wie bei einem EM-Spiel der Deutschen." Am Samstag unterlagen das für Sophie von Brabant agierende Rittertrio, am Sonntag zogen die Edlen von Heinrich dem Erlauchten den Kürzeren.
 

Den Tjost trugen Könner aus Hessen und Sachsen und mit Andre Görlach als Rudolf von Vargula ein Lokalmatador der "Freidigen" aus. "Albrecht von Meißen" und der Sachse "Alexander von Randeck" ritten für den Markgrafen von Meißen. Für die Hessen stiegen im Kampf um die Vorherrschaft in Thüringen Herzog Albrecht von Braunschweig, Siegfried Kump zu Eisenbach und Heinrich von Boyneburg in den Ring.
 

Was das Brandenburgfest einmal mehr prägte und zu einem großen Schmelztiegel der mittelalterlichen Szene des 13./14. Jahrhunderts werden ließ, ist das Mitwirken zahlreicher Freaks, für die der Auftritt an der Burgruine auch der eigenen Lust und Freude dient. Eine Show wie diese, einen Aufmarsch einer so großen Zahl von mehr oder minder authentisch ausgestatteten Kriegern zu bezahlen, wäre für den Brandenburgverein unmöglich.
 

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Die Belagerung der Brandenburg wurde von hunderten Kämpfern zelebriert und von tausenden Zuschauern verfolgt. Mit Pfeil und Bogen gingen die

Angreifer zu Werke. Foto: Jensen Zlotowicz

Ein Kämpfer in der Kriegsmontur des 12./13. Jahrhundert, samt Kette und Helm.

Foto: Jensen Zlotowicz


Ihren Beitrag leisteten dabei auch die Freunde der Lauchröder aus Luxemburg mit einem eigenen Stand, einem "Branebuurger Hunnigdrépp", einem Honigschnaps und vielen kulinarischen Dingen mehr. Auch das hob die Stimmung.

Monika Gebhardt und Jensen Zlotowicz / 12.06.12 / TLZ

Anno 2012

 

 

 

 

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Sonderausstellung Georg von Reckrodt